Verpackungsfrei Einkaufen

In unregelmäßigen Abständen werden uns Zahlen an den Kopf geschleudert. Zahlen, die belegen, wie viel Müll weltweit produziert wird und wie viel Müll jeder von uns im Jahr so in seine Tonnen wirft. Deutschland liegt im Europavergleich immer weit vorn und die Zahlen sind erschreckend. Ein Blick in den Supermarkt zeigt, viele der Lebensmittelverpackungen sind unnötig und könnten eingespart werden. Vor allem in der Obst und Gemüse Abteilung wird man schnell fündig: die eingeschweißten Gurken, in Plastikschalen abgepackte Tomaten, Orangen im Plastiknetz. Der Markt will das so. Will es der Markt so?

Als Franzi Ende letzten Jahres die Aktion #verpackungsfreierjanuar ausrief, fand ich das sehr interessant und dachte: ach schön, da kann ich mir etwas abgucken und so still und heimlich vielleicht auch noch an ein paar Stellen etwas verändern. Franzi sagte: ach schön, seid ihr auch dabei? Und schon waren wir dabei, nicht still und heimlich, sondern voll und ganz und von jetzt auf gleich.

Wer hier schon länger mitliest, weiß, dass wir seit Jahren an unserer Nachhaltigkeit arbeiten und immer wieder etwas Neues umsetzen. Verpackungsfreies Einkaufen beschränkte sich bislang allerdings auf unsere wöchentliche Biokiste und unsere Marktbesuche. Ab und zu liebäugelte ich auch mit dem Gedanken zum Unverpackt-Laden nach Stuttgart zu fahren, aber man ist ja in erster Linie bequem. Damit sollte nun Schluss sein. Die Aufgabe war klar: so wenig wie möglich Verpackungen beim Einkauf. Gläser und Papier, die wiederverwendet werden, sind in Ordnung. Gläser sammeln wir sowieso schon immer zum Einkochen und Papier nutzen wir, um den Biomüll darin einzuschlagen.

Blick in den Vorratsschrank

Als Erstes haben wir unsere Bestände gecheckt. Trockene Lebensmittel wollten wir erst einmal verbrauchen. Super Trick für den Anfang, denn so kommt man vorerst um das Einkaufen herum und hat gleichzeitig Vorratsschrankleichen endlich los. Räumt am besten einmal alles aus und dann wird jede einzelne Packung in Vorratsbehälter abgefüllt. Ja genau, jede einzelne Packung. Raus mit den ganzen Verpackungen. Wenn ihr nicht genügend Behälter zur Verfügung habt, dann könnt ihr natürlich auch nach und nach umfüllen. Wir benutzen dafür große Bügelgläser und Einmachgläser in jeglichen Größen. Nun herrscht Ordnung im Schrank und es sieht gleich viel schöner aus. Der Haufen Verpackungsmüll, den wir auf dem Boden gesammelt haben, bestärkt noch einmal das Vorhaben.

Veränderungen gehen bei uns immer einher mit Ordnung schaffen. Oder besser gesagt: erst wird Ordnung gemacht und dann kann es losgehen.

 Für verpackungsfreieres Einkaufen brauchst du:

Stoffbeutel in verschiedenen Größen

Gemüsenetze

Brotdosen 

Gläser und Flaschen in verschiedenen Größen

Für verpackungsfreieres Einkaufen braucht man natürlich das passende Equipment. Stoffbeutel in allen Größen, am besten auch ein paar verschließbare, sind ab jetzt unsere ständigen Begleiter. Simple Stofftragetaschen hat wohl jeder daheim und die kleineren Beutel gibt es entweder zu kaufen oder ihr näht euch aus alter Kleidung, Bettwäsche, etc. selbst welche.

Am einfachsten ist es natürlich in einem Unverpackt-Laden einzukaufen. Dort findet man alles, was man für den täglichen Bedarf benötigt: trockene und frische Lebensmittel, Hygieneartikel, Putzmittel. So ein unverpackter Einkauf will allerdings gut vorbereitet sein. Man sollte sich zu Hause genau aufschreiben, was man kaufen möchte und die passenden Beutel, Gläser und Dosen einpacken. Ich packe dann zusätzlich noch mindestens ein Glas und einen Beutel für Spontankäufe ein. Im Laden wiegt man als erstes seine Behälter und Beutel und befüllt sie dann nach Herzenslust, an der Kasse wird das Gewicht der Behälter am Schluß abgezogen.

Tipp: Benutzt nach Möglichkeit mehr Beutel als Gläser. Bei unserem ersten Einkauf im Unverpackt-Laden hatten wir gleich die ganze Familie im Schlepptau und vor allem: wir hatten nur Gläser dabei. Fataler Fehler! Denn so ein Rucksack voller gefüllter Gläser kann ganz schön schwer werden. Deshalb empfehlen wir Beutel.

unverpackt einkaufen

Ein Einkauf im Unverpackt-Laden ist ein ganz anderes Kauferlebnis. Man steht vor einem Regal mit einheitlichen Behältern. Von allen Lebensmitteln gibt es meistens nur eine Sorte. Man muss sich nicht zwischen 13 Marken entscheiden, sondern nur für die Form der Nudel: Penne, Schmetterlingsnudeln, Spaghetti, Spätzle. Keine Werbung, die uns das billigste Produkt anpreist. Das ist simpel und befreiend. Die allermeisten Produkte sind zudem in Bioqualität und kosten nicht unbedingt sehr viel mehr als konventionelle Produkte aus dem Supermarkt. Denn die Kosten für Einzelverpackungen und Werbung entfallen beim verpackungsfreien Einkaufen.

Einfach verpackungsfrei Einkaufen kannst du:

im Unverpackt-Laden

beim Bäcker und Metzger

auf dem Markt

teilweise im Bioladen

in Onlineshops

Verpackungsfrei Einkaufen klappt super in jeder Bäckerei und auch beim Metzger ist es meistens kein Problem. Die Verkäuferinnen unserer Lieblingsbäckerei kennen uns und unsere Jutebeutel mittlerweile sehr gut. Natürlich trifft man immer wieder auf unverständige Blicke, aber dann erklärt man ganz einfach kurz, dass man sich den Verpackungsmüll sparen möchte. Oft reagieren die Menschen darauf positiv. Manche versehen es aber nicht und möchten einem beispielsweise zur Brezel auf die Hand unbedingt "wenigstens" eine Serviette andrehen.

Obst und Gemüse ohne Verpackung zu kaufen, ist auf dem Markt am einfachsten. Hier bekommst du oft auch wunderbare regionale Bioprodukte inklusive direktem Kontakt zum Erzeuger. An Marktständen bekommt man außerdem Käse, Wurstwaren, Oliven und eingelegte Antipasti und eventuell auch Fisch in mitgebrachte Behälter gepackt. Tipp für alle Schafskäsefans: An den Spezialitätenständen bekommt ihr auch den Schafskäse direkt in euren Behälter gelegt.

Gemuese auf dem Markt kaufen

Wer keinen Unverpackt-Laden in der Nähe hat und auf Einkäufe im Supermarkt angewiesen ist, kann auch hier Verpackungsmüll sparen. Obst und Gemüse z.B. nur lose kaufen und bei trockenen Lebensmittel Großpackungen wählen. Wir backen z.B. relativ viel und kaufen deshalb immer Mehlpackungen ab 2,5kg aufwärts. Tipp: Um nicht mehrere Tuben Tomatenmark zu kaufen, nehmen wir das 1kg-Glas aus dem Biomarkt und frieren das Tomatenmark in einer Eiswürfelform ein. 

Im Biomarkt kann man sich an der Frischetheke Käse, Oliven, Wurst, etc. auch in mitgebrachte Behälter füllen lassen. In Supermärkten funktioniert das leider nicht nicht. Es lohnt sich aber, die Mitarbeiter darauf anzusprechen. Wenn die Nachfrage da ist, wird sich eventuell irgendwann etwas ändern. Auch nach Alternativen sollte man immer fragen. Es gibt durchaus Milch, Sahne, Joghurt, Frischkäse, Sauermilch oder Buttermilch in Mehrweggläsern, die definitiv eine bessere Variante zu Plastikbechern und Tetrapacks darstellen.

Verpackungsfrei Einkaufen bedeutet Alternativen suchen und auch mal etwas selbst machen. Nussmilch gibt es z.B. bei uns nur in Tetrapacks zu kaufen. Nussmus kann man dafür in Gläsern kaufen oder aus ganzen Nüssen selbst herstellen. Tipp: Gibt man 2-3 EL Nussmus mit 500ml Wasser in den Mixer, hat man ruckzuck Nussmilch. Man kann auch mal eine Flasche Sahne so lang schütteln, bis man Butter gewonnen hat. Kreativität ist alles.

Auch bei der täglichen Hygiene oder den Putzmitteln gibt es Alternativen, die ohne viel Verpackungsmüll und vor allem auch fragwürdigen Inhaltsstoffen auskommen. Steige auf feste Seife um, am Waschbecken und in der Dusche. Dann schaue dich im Unverpackt-Laden um oder gehe auf die Homepage eines Unverpackt-Onlinehandels und probiere Alternativen aus. Putzmittel stellen wir aus u.a. Essig, Natron, Zitronensäure und Soda selbst her. Das meiste davon bekommt man relativ verpackungsfrei. 

Wir kaufen jetzt seit fast 8 Monaten hauptsächlich verpackungsfrei ein. Für uns hat sich dadurch einiges verändert. Wir kaufen fast nur noch Bioprodukte in allen Bereichen. Wir kaufen viel weniger ein, dafür aber sehr viel gezielter. Wir kaufen viel seltener ein. Wir kaufen viel entspannter ein. Wir sparen Geld. Und natürlich sparen wir einen wirklich großen Haufen Verpackungsmüll ein.

Der Unverpackt-Laden liegt für uns auch nicht direkt um die Ecke. Ich fahre mit der S-Bahn nach Stuttgart und transportiere den Einkauf im Rucksack und einer Stofftasche. Für den Einkauf brauche ich mit Hin- und Rückfahrt 1,5 Stunden. Das mache ich etwa alle 5-6 Wochen. Wir sind ein 2-Personen-Haushalt, da ist das natürlich einfacher umzusetzen als beispielsweise mit 2 Kindern. Selbstverständlich kann man nicht alles vorplanen und deshalb kaufen wir auch ab und an verpackte Produkte im Bioladen oder im Supermarkt. Essig und Öl kaufen wir beispielsweise immer noch neu und nicht zum selbst abfüllen. Auch Schafskäse kaufen wir oft in den großen Konservendosen, immerhin die Großpackung.

Meistens kommen wir sehr gut mit unserem Einkaufsrhythmus aus. Denn zum entspannten Einkaufen ohne Werbung und Beschallung im Unverpackt-Laden kommt ein Faktor, der ganz erheblich dazu beiträgt: das Verzichten. Man lernt dabei, dass man nicht alles immer sofort braucht. Unser Vorratsschrank ist relativ gut gefüllt und damit und mit ein bisschen frischem Gemüse lässt sich schnell etwas zaubern. Natürlich darf und muss man sich ab und an dann auch etwas gönnen. Das darf auch verpackt sein. Es geht immer um die kleinen Schritte, um ein Umdenken. Vielleicht nimmst du ab jetzt einfach immer einen Stoffbeutel mit und lässt dir dein Brot oder die Frühstücksbrötchen beim Bäcker direkt hineinlegen. Das wäre prima. Vielleicht isst du dein nächstes Eis auch in der Waffel und sparst so den Becher und den Plastiklöffel. Jeder einzelne Schritt zählt. Und jede Einkaufsentscheidung zählt.

Wenn du dich informieren möchtest, wo in deiner Nähe die Möglichkeit zum verpackungsfreieren Einkaufen besteht, kann ich dir Franzis Auflistung Unverpackt Einkaufen in Deutschland ans Herz legen. 

Achtest du beim Einkaufen auf den Verpackungsmüll und hast wertvolle Tipps? Immer her damit. Oder stehst du vor scheinbar unlösbaren Problemen? Vielleicht können wir dir einen Tipp geben. Schreibe uns gern in den Kommentaren oder per Mail.

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Kommentare

  • Izabella

    23.08.2018

    Liebe Eva,
    Wie schön diesen Text zu lesen! Uns fällt mittlerweile gar nicht mehr schwer verpackungsfrei einzukaufen. Es ist einfach zur Routine geworden. Und wie du schreibst: Die Leute gewöhnen sich an einen. Auf einmal ist so eine leichte Überschreitung jenseits des "Normalen" für die Damen und Herren hinter der Theke Alltag. Und die Unterhaltungen, die dabei entstehen! GENIAL! :-)
    Viele Grüße, Izabella

  • Janne

    22.08.2018

    Hallo ihr beiden.
    Ein schöner Beitrag. Regt zum Nachdenken an. Eine Frage hätte ich aber noch: Warum kauft ihr Öl neu und lasst es nicht abfüllen?

    Und ganz unabhängig davon: was baut ihr im Winter in eurem Garten an bzw. wie versorgt ihr euch im Winter mit Gemüse?

    Liebe Grüße
    Janne

    • Ye Olde Kitchen

      22.08.2018

      Liebe Janne,
      natürlich können wir Essig und Öl abfüllen lassen. Ganz ehrlich: bis jetzt waren wir zu faul. Aber heute habe ich die leere Ölflasche beiseite gestellt, um sie beim nächsten Unverpackt-Laden Einkauf endlich auffüllen zu lassen.
      Wintergemüse ist bei uns gar kein Problem. Im Garten bauen wir Grünkohl, Palmkohl, Chinakohl, Radicchio, Zuckerhut, Ackersalat, Asiasalate, Winterpostelein und verschiedene Rettiche und Rüben an. Kartoffeln werden wir dieses Jahr das erste Mal einlagern. Bete und Karotten werden wir je nach Bedarf abernten. Bei milden Wintern ist das gar kein Problem, da kann man auch noch sehr lang Mangold und Spinat ernten. Alles andere bekommen wir über unsere Biokiste geliefert oder kaufen auf dem Markt ein.
      Liebe Grüße
      Eva

  • Franzi

    20.08.2018

    Ach ihr Herzen! Ich bin immer noch so dankbar und glücklich, dass ihr so "unheimlich" dabei seid. DANKE!!!

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